Montag, 16. November 2009

Regenmacher


In Australien herrscht seit 13 Jahren eine Dürre, die das Leben vieler Menschen komplett verändert hat. Deshalb ist es auch nicht übertrieben, wenn die Australier von einer Jahrhundertdürre reden, denn diese Dürre ist die längste und heftigste, die den australischen Kontinent jemals heimgesucht hat – und dabei ist Australien eh schon der zweittrockenste Kontinent der Welt (nach der Antarktis).

Besonders offensichtlich wird das am einstigen Toolondo Reservoir, das einst 90.000 Megaliter Wasser fasste und nun eine Mondlandschaft aus verkrustetem Lehm ist. Nur die in dieser jetzigen Wüste stehenden Schilder „Powerboat Speed Limit 8km/h“, zeugen noch vom ehemaligen Wassersportparadies. Gespenstisch.









Auf einer Schafsauktion in Südaustralien bekommt man die Auswirkung der Dürre ebenfalls sehr deutlich vor Augen geführt. Hier haben die Schafzüchter nicht mehr genug Futter für ihre Herden, weil auf den Feldern nichts mehr wächst. In manchen Gegenden hat es wieder im letzten Sommer, noch im Winter richtig geregnet, ja sogar keinen anständigen Regen in den letzten 4-5 Jahren gegeben. Und so finden die Schafe keinen grünen Grashalm mehr auf den Feldern und die Bauern sind gezwungen, ihre Herden zu reduzieren, um noch genügend Futter für die verbleibenden Schafe beschaffen zu können.

Die gute Nachricht ist, dass dies noch keine negativen Auswirkungen auf die Lamm-Preise in Australien hatte, weil die Nachfrage aus dem Ausland hoch ist. Aber die Anzahl der Schafe in Australien insgesamt geht ständig zurück. Im letzten Jahr sind noch 76 Millionen Schafe gezählt worden, ein dramatischer Rückgang von sage und schreibe 115 Millionen Schafen seit 1999. Und so wird es schwer werden, genügend Mutterschafe zu haben, wenn sich die Situation wieder verbessern sollte.







Die Klimaforscher gehen davon aus, dass es sich eigentlich um eine Serie von aufeinanderfolgenden Dürren handelt, die nur von kurzen Perioden mit geringem Niederschlag „unterbrochen“. Und so sehen die Prognosen auch ziemlich düster aus. Im besten Fall ist die momentane Situation eine Frühwarnung, dass die Zukunft trockener und wärmer werden könnte. Im schlechtesten Fall ist es der Beginn eines unwiederbringlichen Klimawandels, der vor allem die südliche Hälfte des Kontinents massiv betreffen würde.









Damit sich die Natur erholen kann, braucht es also Regen – sehr viel Regen, auf den wir als Camper natürlich gar nicht so scharf sind. Wir hatten gehofft, dass der Regen vielleicht noch ein bisschen warten könnte – nur ein paar Wöchelchen, so bis Weihnachten vielleicht – auf die wäre es doch nach 13 Jahren nun auch nicht mehr angekommen. Aber scheinbar konnte die Natur keinen Tag länger aushalten und der Regengott hatte endlich ein einsehen. Denn seit Anfang November regnet es überall dort, wo wir hinfahren (teilweise um vor dem Regen zu flüchten) fast jeden Tag. Das ist uns dieses Jahr nun schon so oft passiert, dass wir schon ernsthaft drüber nachgedacht haben, Karrieren als Regenmacher anzustreben. Damit könnten wir viele Menschen glücklich machen und wären bestimmt voll ausgebucht…;-)

Hier in Australien begann der Regen, als wir im tropischen Norden von Queensland waren (wo dies aber nur der etwas verfrühte Beginn der Regenzeit war), dann aber auch im zentralen Queensland (zuerst an der Küste und dann sogar 400km weit im Landesinneren), wo es seit April nicht mehr geregnet hatte. Hier fegten gewaltige Gewitterstürme übers Land und es schüttete von einem Augenblich auf den anderen wie aus Kübeln. Genauso plötzlich hört es dann aber meist auch wieder auf – manchmal nach einer Stunde, aber manchmal auch erst nach 2 Tagen.

Die Natur wie auch die Menschen freuten sich riesig darüber. Und so konnten auch wir nicht anders und genossen den Regen unter dem Vordach des Motels in das wir uns während der heftigsten Tage verkrochen hatten. So schön kann Regen also sein… No worries also! ;-)



No Worries

Hier – Down under – haben die Menschen scheinbar keine Sorgen. Denn unterhält man sich mit einem Australier, dauert es normalerweise keine 2 Minuten, bis man zum ersten Mal versichert bekommt, dass man sie keine Sorgen zu machen braucht („No worries“).

Die Australier sind eigentlich immer und überall super entspannt. Deswegen ist „No worries“ auch der absolut passende Ausdruck für die gesamte Lebenseinstellung der Menschen hier. Denn die Australier sind wirklich außergewöhnlich gelassen – wobei wir (noch) nicht fest stellen konnten, dass sie auch außergewöhnlich glücklich sind (also nicht wie einst Bobby McFerrin predigte „Don’t worry, be happy“), sondern einfach nur sehr zufrieden mit sich und der Welt.







Es scheint fast so, als ob die Australier- im Gegensatz zu uns Deutschen – einfach kein Talent zum Jammern haben. Und so ist „No worries“ der Ausdruck eines Lebensgefühls - ja ist sogar das inoffizielle Motto Australiens.

Egal ob man jemand aus Versehen anrempelt und sich dafür entschuldigt, sich Dinge dreimal erklären lassen muss, weil man den australischen Akzent mal wieder nicht verstanden hat (siehe auch Blog „Australisch“) oder sich bei der Bedienung für den Kaffee bedankt, den sie einem an den Tisch gebracht hat – immer hört man ein, von einem Lächeln begleiteten, „No worries“. Das gefällt uns so gut, dass wir uns das auch schon angewohnt haben. Echt nett.









Eine eindeutige Übersetzung gibt es für die vielfältige Verwendung von „No worries“ unseres Wissens nach nicht. Denn es könnte – je nach Situation - sowohl als „keine Sorge“, „kein Problem“, „keine Ursache“, „macht nichts“ oder (in der Oberpfalz) auch als „basst scho“ bzw. (im Schwäbischen) als „freile“ oder „scho reacht“ übersetzt werden…


Great Barrier Reef

Die meisten von euch werden wohl wissen, dass Australien der einzige Kontinent ist, der zugleich auch eine Insel ist. Daraus lässt sich schließen, dass Australien auch das einzige Land ist, das zugleich auch eine Insel ist.

Aber wer weiß schon, dass Australien das 6. größte Land der Welt ist? Da weiß man doch noch eher, dass Australien die Heimat der größten lebenden Formation der Welt ist – des Great Barrier Reefs.

Dieses riesige Korallenriff erstreckt sich über eine Länge von über 2.500 Kilometern von knapp oberhalb von Brisbane bis fast nach Papua-Neuguinea (welches nördlich von Australien liegt und an Indonesien grenzt).








Dieses Naturwunder darf man natürlich nicht auslassen, wenn man die Ostküste Australiens bereist. Deswegen haben auch wir das in Angriff genommen. Aber wo fängt man da an bei einem Ding, das 2.500 Kilometer lang ist und sich auf einer Fläche von der Größe Deutschlands ausdehnt?

Wir entschieden uns erst mal einen 3-tätigen Ausflug zu den Whitsunday Inseln zu machen, die zwar nur 20 Kilometer vor der Küste liegen, aber schon zum Great Barrier Reef gehören.








Interessant ist, dass die Forscher davon ausgehen, dass das Great Barrier Reef eigentlich die ursprüngliche Küste des Australischen Kontinents war. Denn die durchschnittliche Wassertiefe von der jetzigen Küste bis zum Great Barrier Reef liegt bei 80 Metern, während sie nach dem Riff steil auf 2.500 Meter abfällt. Das Riff selbst liegt teilweise knapp über, teilweise knapp unter der Wasseroberfläche und ist das größte von Lebewesen (Korallen) je erbaute Gebilde der Erde.

Der Sandstrand auf der Hauptinsel ist 5 Kilometer lang und extrem weiß. In Kombination mit dem türkisblauen, glasklaren Wasser ist das ein atemberaubender Anblick. Deswegen verwundert es nicht besonders, dass dieser Strand zum drittschönsten der Welt gewählt wurde (fragt bitte nicht, welche beiden noch schöner sind. Dass müsst ihr die Leute von Lonely Planet Reiseführer fragen, die diese Liste erstellt haben).







Wir fuhren mit dem über 30 Jahre alten Segelschiff „Pacific Sunrise“ zu den Inseln und verbrachten - zusammen mit 11 anderen Gästen und 6 Besatzungsmitgliedern - insgesamt 3 Tage und 3 Nächte auf diesem wunderschönen Schiff.







Auf dem Programm standen - neben den vier ohne Ausnahme immer sehr leckeren Mahlzeiten am Tag - sowohl kurze Wanderungen auf den Inseln als auch – und hauptsächlich - Schnorcheln in den Korallenriffen. Was für ein Erlebnis!







Vielleicht habt ihr schon mal eine Dokumentation über die bunte Unterwasserwelt gesehen, in welchen tausende Fische in allen erdenklichen Farben im kristallklaren Wasser schwimmen. Sieht im Fernsehen immer ein bisschen aus wie ein Aquarium.

Und nun stellt euch vor, ihr zieht eine Taucherbrille auf, streckt den Kopf ins Wasser und habt genau diese Wunderwelt direkt vor Augen. Die Fische ziehen in Schwärmen an den Korallen entlang – mal sind sie mit uns mit- mal uns entgegen geschwommen, so dass wir durch die Schwärme hindurch geglitten sind. Egal wohin man schaut, entdeckt man die tollsten Exemplare. Und wenn die Sonne durch die Wasseroberfläche scheint, leuchten und glitzern die Fische in allen Farben.









Leider hatten wir keine Unterwasserkamera dabei, so dass wir keine eigenen Bilder machen konnten. Aber wir haben uns natürlich die Bilder unserer Mitreisenden besorgt (Danke, Marlene!), so dass wir nun auch schöne Erinnerungen daran haben, was wir live unter Wasser gesehen haben. Sensationell!

Und anschließend haben wir noch viele der Fische, die wir beim Schnorcheln gesehen haben, im HQ Reef Aquarium in Townsville photographiert – wo das „Naturerlebnis“ zwar bei weitem nicht so intensiv ist, die Fotos dafür umso besser geworden sind.






Donnerstag, 5. November 2009

Australisch

Unser Freund David war bis zu unserer Reise nach Australien, der einzige echte „Aussie“ den wir kannten. David ist ein echter Typ, der uns mit seiner kratzigen Stimme und seinem blechernen Lachen immer an einen Seemann erinnert hat.








Sein australischer Dialekt ist noch immer extrem, obwohl er viele Jahre in Europa und nun in USA gelebt hat. Als wir ihn vor vielen Jahren bei Amazon zum ersten Mal in einer Telefonkonferenz hörten, verstanden wir fast kein Wort. Michaela unterbrach ihn damals sogar und bat ihn doch etwas langsamer und deutlicher zu sprechen – und nutzte die Gelegenheit auch gleich, zu fragen, wo zum Teufel er denn mit so einem Dialekt herkomme und wie er eigentlich heiße. Das war ein echter Lacher und eines der wenigen Male, die wir David sprachlos gesehen/ gehört haben. Er hat es ihr aber offensichtlich nicht übel genommen und so freuen wir uns jedes Mal, wenn wir ihn wieder sehen – mittlerweile verstehen wir ihn auch... ;-)

Wir gingen bis vor kurzem davon aus, dass David einen ganz besonderen Dialekt hat und eben ein besonderer Typ ist, der den Dialekt vielleicht auch noch absichtlich verstärkt. Als wir nun aber in Australien ankamen, mussten wir feststellen, dass hier alle haargenau so reden wie er!


Mehr als einmal ist es mir passiert, dass wir uns in Brisbane umgedreht haben und dachten, der Mann hinter uns wäre David, weil da jemand mit einer genauso kratzigen Stimme, in genauso breitem Akzent redete. Faszinierend!