Zurück in Deutschland haben wir realisiert, dass wir im Kalenderjahr 2009 schon alle 4 Jahreszeiten erlebt hatten, obwohl es erst Mai ist. Genau genommen haben wir in 4 Monaten alle 4 Jahreszeiten erlebt. Im Februar hatten wir am Tag unserer Abreise in Deutschland noch heftigen Winter mit Minusgraden und Schnee.
In Südafrika zählen Februar und März noch zum Sommer, während es im April und Mai schon ziemlich herbstlich wird.
Und nun haben wir schon ein paar Tage den Frühling in Deutschland genießen dürfen (wie jedes Jahr war am dem Riedlinger Flohmarkt wunderbares Frühlingswetter)… Und am Tag danach nahm mich mein Dad mit auf eine Mofatour.
Für unsere irischen Freunde ist das natürlich alles Kinderkram. Denn dort kann man ja bekanntlich des Öfteren alle 4 Jahreszeiten an einem einzigen Tag erleben. Da wir uns schon kaum mehr erinnern können, wie sich das genau anfühlt, werden wir Anfang Juni nochmal 5 Tage in Irland verbringen. Dann wird sich herausstellen, ob die Sommer dort wirklich so schlecht sind, wie wir das in Erinnerung haben.
Auf dem langen Weg vom Kruger National Park nach Kapstadt streiften wir unter anderem das riesige Massiv der Drakensberge. An diesem Tag zogen sich schon am frühen Morgen dichte Wolken zusammen und ein mächtiges Gewitter kündigte Unheil an.
Und prompt zerriss es uns irgendwo auf der Höhe von Giants Castle (also noch ziemlich im Norden der Drakensberge) den linken Hinterreifen.
Wir stoppten sofort und blieben auf dem Randstreifen einer ziemlich stark befahrenen Straße liegen. Da wir 2 Ersatzreifen dabei hatten, bestand ja kein Grund zur Panik. Also wurde erst mal das Warndreieck aufgestellt und dann der riesige Spezialwagenheber vom Heck geschraubt, den wir nun seit 11 Wochen durch die Gegend fahren.
Das Problem war nur, dass der Wagenheber scheinbar nicht funktionierte. Aber sicher waren wir nicht, denn schließlich hätte es ja auch daran liegen können, dass wir uns nicht mehr so richtig daran erinnern konnten, was wir bei der Einweisung fürs Auto gelernt hatten. Also suchten und fanden wir den standardmäßigen Wagenheber, aber nicht den dazu gehörenden Standfuß. Und auf unserem Handy war nicht mehr genügend Guthaben, um jemanden anzurufen.
Glücklicherweise nahte - noch bevor wir so richtig verzweifelt waren – Rettung in Gestalt von Willie, der wohl bereits an uns vorbei gefahren war, dann aber umdrehte, als ihn das Gefühl beschlich, dass wir in ernsthaften Schwierigkeiten steckten. Aber auch er konnte den Spezialwagenheber nicht verwenden, weshalb er kurzerhand ins nächste Dorf fuhr und einen anderen Wagenheber organisierte. Dieser war aber für unseren Defender etwas zu klein und wackelig. Also organisierte Willie einen weiteren, richtig großen Wagenheber für LKWs. Mit diesem konnten wir schließlich den Reifen wechseln und waren fürs Erste ok. Dann aber erzählte uns Willie, dass er vor allem deswegen angehalten hatte, weil dies eine der schlimmsten Straßen Südafrikas ist, was Raubüberfälle angeht und das er uns strengstens raten würde, umgehend einen neuen Ersatzreifen zu kaufen. Denn mit nur einem Ersatzreifen würden wir ein zu hohes Risiko eingehen, irgendwo auf einer ähnlich gefährlichen Straße liegen zu bleiben.
Und das obwohl wir doch nun schon die ganzen schwierigen Strecken in Namibia und Botswana gemeistert hatten… Dennoch sahen wir ein, dass Willie cht hatte und folgten ihm nach Escourt, zu seinem früheren Arbeitgeber Peter, der sich mit seiner Werkstatt auf Reifen spezialisiert hatte. Wir bedankten uns herzlich bei Willie und seiner Frau für die außergewöhnliche Hilfe und schenkten ihnen die Prosecco Flasche, die wir ursprünglich für Michaelas Geburtstag gekauft - aber nie aufgemacht - hatten und einem Six Pack Bier (weil Willie mir zuflüsterte, dass er eher auf Bier als auf Prosecco steht,).
Doch Reifenspezialist Peter hatte den passenden Reifen für unseren Defender nicht vorrätig. Aber natürlich konnte er einen Reifen organisieren. 200km weiter war einer zu haben und Peters Angestellte zufällig auf dem Weg von Durban nach Escourt, so dass sie den Reifen in 1.5 Stunden anliefern konnten. Um die Zeit zu überbrücken, lud uns Peter zum Mittagessen in ein nahegelegenes Restaurant ein. Er und sein Vorarbeiter Sid leisteten uns Gesellschaft und erzählten uns allerhand Geschichten über Südafrika, die Rassenproblematik und die schönsten Plätze in der Umgebung, so dass die Wartezeit schnell verging. Mittlerweile war das Gewitter direkt über uns und so verzogen wir uns vom Garten ins Innere des Restaurants, gerade noch rechtzeitig, bevor es erbsengroße Körner hagelte.
So was hat es in Escourt um diese Jahreszeit noch selten gegeben. Die Straßen glichen Sturzbächen und wir waren froh, dass wir im Trockenen saßen und bei diesem Wetter nicht fahren mussten.
Schließlich ließ der Regen aber doch nach und auch der Reifen war inzwischen angekommen, so dass wir am späten Nachmittag unseren Weg fortsetzen konnten (obwohl Peter uns angeboten hatte, dass wir auch bei ihm seiner Familie hätten übernachten können). Beeindruckt von der außergewöhnlichen Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft, schenkten wir Peter unsere beste Flasche Wein, welche zufällig einer seiner Lieblingsweine war.
Und am Ende des Tages riss sogar die Wolkendecke wieder auf und alles war wieder gut…
Wir hatten also viel Glück im Unglück - oder vielleicht war es sogar Glück, die Reifenpanne zu haben, um diese außergewöhnlichen Menschen kennen zu lernen.
Nach 77 Tagen ohne festes Dach über dem Kopf, ist unsere Serie schließlich gerissen. Als Folge der Verzögerung durch unseren ungeplanten Reifenwechsel verbrachten wir eine Nacht auf 1600 Meter Höhe in den Drakensbergen. Als wir in Underberg ankamen, war es schon fast dunkel und die Temperatur lag um die 10C°. Also entschieden wir für diese Nacht eher ein Cottage als einen Campingplatz zu suchen. Wir steuerten einfach das nächste Bed & Breakfast an und landeten bei Elgin Cottages.
Die Gastgeberin bot uns ein „einfaches“ Doppelzimmer mit Terrasse an, welches wir dankbar annahmen, weil wir nach der langen Fahrt einfach eine Unterkunft haben wollten und nach der langen Zeit im Zelt eh keine großen Ansprüche hatten. Umso größer war die Überraschung als wir die Tür zu unserem Luxuszimmer mit frei stehender Badewanne, Fernseher (wir hatten auch seit 76 Tagen nicht mehr fern gesehen – außer das Lagerfeuer, das sogenannte Bush TV,) und Fußbodenheizung (was war das nochmal?) öffneten. Unglaublich, wie weich so ein Bett sein kann! Und die Toilette war nur 5 Meter vom Bett entfernt und die Fliesen unter den nackten Füßen (keine Gefahr vor kleinen oder größeren Tierchen) schön warm. Wir genossen die erste Dusche ohne Badelatschen seit über 10 Wochen ausgiebigst. Fantastisch!
Wir verbrachten den Abend bei 6C° aber trotzdem auf der Terrasse und grillten. Scheinbar können wir davon nicht genug bekommen. Dann sanken wir ins flauschige Bett (mit Heizkissen) und schliefen so gut wie schon lange nicht mehr.
Doch um halb sieben Uhr morgens rieß mich Michaela aus dem Schlaf, weil sie auf dem Feld vor unserem Zimmer ein Tier gesehen hatte, dass sich so bewegte wie ein LEOPARD. Dieses Stichwort reichte mir, aus dem Bett zu springen, gleichzeitig meine Brille aufzusetzen und auf die Terrasse zu stürmen, um mir diese Sensation anzuschauen. Aber alles was ich sah, war eine weiße Hauskatze… Und tatsächlich bewegte sie sich ähnlich wie ein Leopard – ist ja auch nicht weiter verwunderlich, denn schließlich ist sie ja ebenfalls eine Katze. Aber das sind wahrscheinlich auch schon alle Gemeinsamkeiten. Ich jedenfalls ging nochmal ins Bett – auch wenn es dann mit dem Schlafen vorbei war.
Insgesamt haben wir auf unserer Reise im südlichen Afrika etwas mehr als 20.000 Kilometer zurückgelegt. Das hört sich erst Mal viel an. Aber wenn man bedenkt, dass wir über 12 Wochen unterwegs waren und wie groß Botswana (fast 2x so groß als Deutschland)
Namibia (mehr als 2x so groß als Deutschland)
und Südafrika (mehr als 3x so groß als Deutschland) sind
dann relativiert sich das schnell und es wird klar, dass wir ja nur einen Bruchteil gesehen haben.
Zum Beispiel haben wir gerade 3 Tage im Central Kalahari National Park verbracht, der mit einer Fläche von über 50.000qm größer ist als die Schweiz.
Natürlich ist Schweiz auch etwas besser erschlossen, aber ich bin mir sicher, dass nicht nur unser Schweizer Freund Andi mir zustimmt, dass man ein Gebiet dieses Ausmaßes in 3 Tagen nur oberflächlich erkunden kann.
Um den Flächen noch mehr Perspektive zu geben, hier noch ein paar Daten:
Südafrika, Namibia und Botswana zusammen sind 7x so groß wie Deutschland
32x so groß wie Irland
64x so groß wie die Schweiz und ein Drittel so groß wie die riesigen USA.
Dabei leben hier insgesamt nur ca. 52 Millionen Menschen, verglichen mit 82 Millionen in Deutschland. Also kann man sich vorstellen, wie dünn besiedelt diese Länder sind. Vor allem Namibia und Botswana haben mit 2.5 bzw. 3 Menschen pro Quadratkilometer eine extrem niedrige Bevölkerungsdichte. Hier führt Deutschland ganz klar mit 230 Menschen /km², gefolgt von der Schweiz (187) und - mit weitem Abstand - Irland (71) und den USA (31). Südafrika liegt hier mit 39 sogar noch vor den USA.
(Hier ging mal wieder der Analytiker mit mir durch. Ich muss zugeben, dass diese Zahlenspielereien tatsächlich Spaß gemacht haben…)
Kilometer mit dem Auto: 9.402 Kilometer zu Fuß (Laufen/Wandern): 361 Kilometer per Rad: 68 Besuchte Staaten 2009: 2 Insgesamt besuchte Staaten: 2 Pannen & Werkstattbesuche: 0 Polizeikontakte wg. Geschwindigkeitsübertretung: 0 Nächte auf dem Campingplatz: 37 von 62 Besuchte Nationalparks 2009: 31
USA:
Kilometer mit dem Auto: 13.672 Kilometer zu Fuß (Laufen/Wandern): 421 Kilometer per Rad: 297 Besuchte Staaten 2009: 12 Insgesamt besuchte Staaten: 26 Pannen & Werkstattbesuche: 1 Polizeikontakte wg. Geschwindigkeitsübertretung: 2 Nächte auf dem Campingplatz: 66 von 104 Besuchte Nationalparks 2009: 16 Krankenhausbesuche: 1
Afrika:
Kilometer mit dem Auto: 20.800 Kilometer zu Fuß (Laufen/Wandern): 215 Kilometer per Rad: 0 Besuchte Staaten 2009: 3 Insgesamt besuchte Staaten: 7 Pannen & Werkstattbesuche: 1 Polizeikontakte wg. Geschwindigkeitsübertretung: 0 Nächte auf dem Campingplatz: 79 von 84 Besuchte Nationalparks 2009: 19
Europa:
Kilometer mit dem Auto: um die 5.000 Kilometer zu Fuß (Laufen/Wandern): 81 Kilometer per Rad: 30 Besuchte Staaten 2009: 7 Insgesamt besuchte Staaten: 18 Pannen & Werkstattbesuche: 1 (TÜV) Polizeikontakte wg. Geschwindigkeitsübertretung: 0 Nächte auf dem Campingplatz: 4 von 31 Besuchte Nationalparks 2009: 0