Freitag, 15. Mai 2009

Feuerholz

Einen Grill nennen die Südafrikaner Braii und grillen heißt ganz einfach auch braii. Man könnte vermuten, dass es hierbei in erster Linie - wie in Deutschland bzw. in Amerika (wo man dazu ja bekanntlich BBQ sagt) - darum geht, jedwede Art von Essen über offenem Feuer zuzubereiten. Fragt man aber einen Südafrikaner, wird man schnell eines Besseren belehrt. Braii ist ein Ritual. Obwohl man auch in Südafrika Kohle kaufen kann (meist aus Namibia importiert), muss ein gutes Braii mit Holz gemacht werden. Dazu stapelt man Unmengen Holz auf dem Grill und lässt es schön langsam runter brennen, bis alles (inkl. der Grill – ähh Braii) glüht.

Natürlich wollten wir diese Tradition übernehmen und ließen uns von mehreren Einheimischen in diese Kunst einweisen. Am Ende unserer Tour sind wir nun soweit, dass unsere Bemühungen als Braii durchgehen – wenn auch noch nicht als hohe Kunst. Immerhin.





Da man für ein Braii viel Holz braucht, mussten wir also ständig für Nachschub sorgen. In den meisten Gegenden Südafrikas und Namibias ist das überhaupt kein Problem, denn hier bekommt man Holz auch im Supermarkt. In Botswana ist das dann doch etwas schwieriger, weil die Supermarktdichte hier gegen Minimum geht. Deshalb – und weil wir die fleißigen, aber teilweise bitterarmen Einheimischen unterstützen wollten, versuchten wir wann immer möglich bei denjenigen zu kaufen, die ihre gesammelten Holzbündel für ein paar Cent am Straßenrand anboten. Dabei werden uns zwei Ereignisse unvergesslich bleiben.

Einmal, bei Nata in Botswana, hielten wir am Rand einer stark befahrenen Straße und fragten die beiden kaum englisch sprechenden, etwa 12jährigen Mädchen, was das Holz den kosten würde. Sie meinten 100 Pula (etwa 10 Euro). Verdutzt fragte ich nach, wie viel Holz ich denn dafür bekommen würde. Und sie wiesen auf eine halbe Lastwagenladung. Ich machte ihnen klar, dass ich so viel nicht bräuchte und zeigte ihnen alles, was ich noch vom Taschengeld (das ich von Michaela bekommen hatte) übrig hatte – gerade mal 18 Pula. Sie legten Scheit um Scheit zur Seite, bis sie einen riesigen Stapel aufgehäuft hatten, den ich dafür bekommen würde. Natürlich schlug ich dieses Geschäft nicht aus und bat sie mir zu helfen, das ganze Holz aufs Dach des Autos zu schaffen. Wir waren noch nicht damit fertig, als die Brüder und der Vater der Mädchen dazu kamen und erfreut feststellten, was für ein gutes Geschäft die Mädchen gemacht hatten. Der Vater war sogar so glücklich, dass er mir weitere Scheite bzw. halbe Baumstämme als Geschenke anbot (leider hab ich das botswanische Wort für Geschenk vergessen, dass er wieder und wieder wiederholte). Ich musste die Jungs irgendwann stoppen, da unser Auto sich schon gefährlich zur „Holzseite“ neigte.




Da ja eigentlich die Holzverkäufer es waren, die beschenkt hätten werden sollen, schenkten wir ihnen Wasser (sie hatten scheinbar schon sehr sehr lange kein so sauberes Wasser getrunken und machten sich gleich darüber her) und 2 Paar Schuhe, die wir eh aussortieren wollten. Auch diese fanden großen Anklang. Auch wenn sie bestimmt ein paar Nummern zu groß bzw. zu klein waren. Denn die Mädchen und Jungs hatten überhaupt keine Schuhe an.

Die andere Begebenheit war in Rakops (bei Central Kalahari) in Botswana, als wir im Supermarkt nach Feuerholz fragten und damit eine wahre Initialzündung auslösten. Da es in botswanischen Supermärkten kein Feuerholz zu kaufen gibt, wurde unsere Anfrage zur Belustigung aller Anwesenden erst mal lauthals dem ganzen Laden mitgeteilt. Schließlich wurde ein Kunde ausfindig gemacht, bei dem wir Holz kaufen konnten. Dazu mussten wir ihm allerdings zu seinem Haus folgen (wo er das Holz gelagert hatte), was wir in Südafrika niemals gemacht hätten. Aber in Botswana kann man anscheinend sogar die Autotüren offen lassen, ohne das man bestohlen wird (was wir dann aber doch nicht ausprobiert haben). Also folgten wir ihm ins hinterste Eck des Dorfes, wo er bei einer kleinen Hütte, wo seine Frau, sein Bruder und seine Eltern bereits auf ihn warteten. Der kleine Bruder wurde gleich mal angewiesen, das Holz in passende Stück zu hacken, bevor wir überhaupt in die Verhandlungen einstiegen. Nach etwa 10 Min. hatten wir uns auf einen – vor allem für den Verkäufer - guten Preis (40 Pula) für eine wieder sehr große Ladung Holz geeinigt. Erfreut über das gute Geschäft, wurden wir unter den staunenden Blicken der übrigen Dorfbewohner zurück zur Hauptstraße eskortiert, wo wir unseren Weg fortsetzten.


Montag, 4. Mai 2009

Der wahre König

Lange mussten wir warten, bis wir „unseren“ König der Tiere zu Gesicht bekamen. Aber nach sage und schreibe 75 Tagen und über 17.000 Kilometern im südlichen Afrika war es dann endlich so weit. Unser Favorit wartete unter einem Baum liegend auf uns, bevor er sich putze, um dann genau auf uns zu zugehen und die Straße zu überqueren. So schön hatten wir einen Leoparden noch nie gesehen. Und auch 1-2 gute Fotos haben wir geschossen…






Aber damit nicht genug. Noch auf demselben Morning Drive sahen wir noch einen viel schöneren Leoparden. Der 2. An diesem Tag! Wahnsinn! Und der spazierte zuerst ein bisschen parallel zur Straße, flanierte dann sogar ein paar hundert Meter auf die Straße und kletterte schließlich hinunter zu einem Wasserloch, wo er genüsslich trank, bevor er sich es im hohen Gras bequem machte (und wir ihn nicht mehr sehen konnten). Insgesamt konnten wir ihn aber so ca. eine Viertelstunde beobachten. Sensationell, wenn man berücksichtigt, dass diese scheuen Tiere normalerweise sofort das Weite suchen bzw. im Dickicht verschwinden, wenn sie ein Auto oder einen Menschen sehen. Nun können wir uns ganz entspannt so langsam auf die Heimreise vorbereiten…









Die schlechteste Straße der Welt

Am Anfang unserer Reise haben wir ein holländisches Pärchen getroffen, das mit ihrem VW Bus von Holland bis nach Südafrika gefahren war. Chris erzählte uns, dass sie auf ihrem 7monatigen Weg von Holland nach Südafrika nie mehr als 200 Kilometer am Tag gefahren waren – bis sie nach Südafrika gekommen waren. Und hier hatten sie dann gleich 600 Kilometer an einem Tag zurück gelegt, weil die Straßen so super waren.

Wir wussten ja, dass uns Namibia hauptsächlich „Pads“ erwarten würden – also nicht geteerten Straßen – denn nur die ganz wenigen Transitstraßen, die den Süden mit dem Norden oder den Osten mit dem Westen verbinden, sind in Namibia geteert. Wir haben uns also schon beim Grenzübertritt nach Namibia von den erstklassigen südafrikanischen Teerstraßen verabschiedet (die übrigens besser sind als die irischen Straßen, über die wir uns ja immer so beklagt haben). Im Großen und Ganzen waren wir aber mit den Pads ganz glücklich, denn die sind zwar nicht geteert, aber meistens in einem guten Zustand. Das kommt aber auch nicht von ungefähr, denn die Pads werden ständig ausgebessert. Die Fahrer der Maschinen, welche die Pads noch im hintersten Zipfel Namibias ständig glätten, sind oft wochenlang von ihren Familien getrennt (oder nehmen diese gleich mit) und leben in ganz einfachen Bauwagen. Weil wir uns so über den guten Zustand der Straßen gefreut haben, haben wir auch immer freundlich gewunken und uns bedankt, wenn wir einen dieser Helden der namibischen Straßen getroffen haben.













Und dann kam Botswana. Wir wussten nur, dass die Straßen teilweise wohl sehr sandig sein sollen. Deshalb waren wir anfangs sehr angenehm überrascht, dass die gesamte Strecke von Rundu (in Nambia) bis nach Maun (im Zentrum Botswanas) geteert und in erstklassigem Zustand war. Doch dort fingen die „wahren Straßen Botswanas“ erst an. Und wir reden hier nicht von den überfluteten Straßen, sondern von denen, die im „Normalzustand“ waren. Da gibt es Strecken über hunderte von Kilometern, mit extrem tiefem Sand (Botswana besteht zum großen Teil aus Halbwüste).

Fahrtechnisch noch eine Stufe anspruchsvoller war dann die nagelneue Straße zur Nxai Pan, denn dort kamen zum tiefen Sand dann auch noch die Wurzeln und Äste, des Gestrüpps, das der Straße weichen musste.







Der absolute Höhepunkt war dann aber die geteerte Strecke von Nata nach Kasane (wo sich wohlgemerkt 2 Höhepunkte einer jeden Botswanatour befinden: die Chobe Riverfront und die Victoria Fälle. In unseren Reiseführern wurde explizit darauf hingewiesen, dass die gesamte Strecke bis Kasane geteert ist. Deshalb hatten wir für die 300 Kilometer auch nicht mehr als 3-4 Stunden eingeplant. Wie sich herausstellte brauchten wir aber mehr als 5 Stunden, weil die Straße über weite Strecken so extrem mit Schlaglöchern übersät ist, dass es Autos wie LKWs bevorzugen neben der Straße zu fahren…








So etwas hatten wir noch nie gesehen. Naja, wenigstens haben sie noch Warnschilder aufgestellt – die aber keinen Hinweis geben, wie gefährlich die Schlaglöcher sind. Denn teilweise sind sie erst sehr spät zu erkennen und so tief, dass man mit einem normalen PKW sofort aufsitzen (und wahrscheinlich die Achse brechen) würde. Für uns ganz klar die schlechteste Straße der Welt (von dem was wir von der Welt bisher gesehen haben)!




Wildcard

Zurück in Südafrika stellen wir fest, dass dieses Land nicht nur die – im Vergleich zu Namibia und Botswana - deutlich bessere Infrastruktur hat, sondern auch einen klasse Ansatz bezüglich Kundenbindung und Kundenservice in den Nationalparks. Die meisten südafrikanischen Nationalparks haben sich als „Sanparks“ (South Africa National Parks) zusammen geschlossen und bieten mit der Wildcard eine Art Kundenkarte mit Flatrate. D.h. man bezahlt ca. 120 Euro und hat damit ein Jahr lang unbegrenzten Zutritt zu allen Nationalparks (Sanparks) – das lohnt sich gegenüber der Bezahlung einer täglichen Eintrittsgebühr von 12 Euro nach Adam Riese also schon nach 10 Tagen.




Somit ist das natürlich vor allem für Langzeitreisende wie uns interessant, motiviert aber auch „normale“ Touristen, innerhalb von 12 Monaten zurück zu kommen, um einen möglichst großen Nutzen aus der Wildcard zu ziehen (wir nutzen auch noch unsere Wildcard, die wir im letzten Herbst gekauft haben). Insbesondere für die südafrikanischen Rentner ist dies eine grandiose Sache. Die bekommen nochmal 40% Rabatt und können so zu sehr moderaten Preisen ihre Nationalparks auskosten. Und das tun sie ausgiebig und gerne. Was auch nicht weiter verwunderlich sein sollte. Denn viele Südafrikaner stammen ja bekanntlich von Holländern ab und haben von diesen wohl auch die Vorliebe zum Campen geerbt. Bevorzugt wird dabei natürlich – wie könnte es anders sein? - der Wohnwagen. Aber auch Campingtrailer liegen absolut im Trend - vor allem bei den jüngeren Leuten, denn die Trailer sind meist geländegängig und gehen so als Safaritrailer durch, wobei sie aufgeklappt meist ebenfalls eine vollständig ausgestattete Küche beinhalten und zudem noch ein Zelt auf dem Trailer aufgeklappt werden kann. Würden wir hier wohnen, wir hätten bestimmt auch schon so ein Ding…