Mittwoch, 8. April 2009

Die dem Warzenschwein eine Linie zieht

Wer kennt ihn nicht, den „Der mit dem Wolf tanzt“? Aber wer kennt schon „Die dem Warzenschwein eine Linie zieht“? Die Antwort ist: Ihr Alle! Denn natürlich geht es hier um Michaela. Aber mal von Anfang an. In der Nähe von Keetmannshoop haben wir auf einer Gästefarm übernachtet, zu deren Tieren 4 gerettete Geparden und 2 Warzenschweine zählen. Ich schloss gleich Freundschaft mit einem Geparden…





… während sich Michaela mit den Warzenschweinen anfreundete.





Am nächsten Tag hörten wir aus der Richtung des Waschhäuschens auf dem Campingplatz ein lautes Klopfen. Es wurde immer lauter und hörte nicht auf. Deshalb ging ich rüber, um nach zu schauen, was da los ist. Ich war noch ca. 100m vom Waschhaus weg, als plötzlich die Holztür der Toilette zersplitterte und das riesige Warzenschwein heraus spazierte. Anscheinend hatte es sich eingeschlossen und nun – ganz offensichtlich – selbst befreit.





Wenig später kamen beide Warzenschweine zu unserem Campingplatz und fingen an, an den Boden umzuwühlen und anschließend mit ihren dreckigen Nasen an allem zu schnuppern, was wir herumstehen hatten. Nachdem ich durch Klopfen, Fuchteln und Schreien erfolglos versucht hatte, die beiden zu vertreiben, nahm Michaela das Heft in die Hand, stellte sich vor das kleinere Warzenschwein, zog mit dem Fuß eine Linie in den Sand und erklärte dem Warzenschwein, dass es diese Linie nicht überqueren darf. Das kleine Schwein schaute Michaela mit großen Augen an, sprang dann vorwärts und stupste Michaela kräftig mit der Schnauze am Bein. Soviel dazu, dass man jedem Schwein erklären kann, wie weit es gehen kann…








Living Desert – Teil 1 – die Theorie

In Swakopmund haben wir mit dem Wüstenexperten und Aktionist Chris eine Fahrt in die Dünen der Namib gemacht und eine Lehrstunde in Sachen Ökologie in der Wüste bekommen. Sensationell!





Zuerst hat uns der Aktivist Chris erklärt wie sensibel das Ökosystem der Wüste ist und wie viel Schaden durch verantwortungslose Quadbikefahrer verursacht wird. Er hat uns Luftaufnahmen von Teilen der Wüste gezeigt, die über und über mit Quadbikespuren übersäht sind. Es dauert Jahrzehnte bis eine solche Spur wieder verschwunden und der natürliche Zustand der Wüste wieder hergestellt ist.

So sensibilisiert begann die Lehrstunde mit dem Ursprung der gesamten Nahrungskette in den Dünen - wo ja wirklich fast gar nichts wächst – dem „Müsli“. Dies setzt sich zusammen aus kleinen Ästen, Blättern, Gräsern, etc. die schon lange nicht mehr frisch und saftig von weither mit dem Wind in die Wüste getragen wurde (natürlich vermischt mit „Milch“ – dem allmorgendlichen Tauwasser).






Kein Tier, außer den Silberfischen, kann mit diesem Abfall etwas anfangen. Die Silberfische aber ziehen noch genug Nährstoffe daraus, um davon leben zu können – und bilden somit die erste Stufe der Nahrungskette. Denn Silberfische sind die Lebensgrundlage vieler kleinerer Eidechsen, Käfer, Spinnen und Geckos. Diese wiederum werden von größeren Eidechsen, Spinnen Geckos und Chamäleons verzehrt und diese sind Leckerbissen für Schakale und Raubvögel. Soweit zur Theorie.



Living Desert – Teil 2 – die Eidechse

Dann begann der eindrucksvolle Praxisteil Tour. Chris zeigte uns die verschiedensten Spuren auf den Dünen und erklärte uns von welchem Tier sie stammen. Als erstes machte sie Chris daran, einen Skink – eine Eidechse ohne Hals und Beine – auszugraben, deren Spuren einfach im Sand verschwinden, weil sie sich sofort im Sand eingraben, sobald es zu heiß wird. Chris brauchte genau einen Versuch, um einen dieser flinken Dinger auszugraben und zu fangen.






Living Desert – Teil 3 – die Spinne

Als Nächstes nahm er seinen alten Golfschläger und zeigte auf ein winziges Loch in der Düne – laut Chris die Eingangstür zum Bau einer kleinen, giftigen, weißen Spinne – der Dancing White Lady. Diese Spinne baut einen etwa 50cm langen Tunnel in die Düne, wo es kühl genug ist, um die Hitze des Tages zu überleben. Obwohl es die Spinne 8.5h kostet, diesen Tunnel zu bauen, öffnete er vorsichtig die Eingangstür zum Tunnel, um uns die Spinne zu zeigen.






Langsam trug er den Sand um den Minitunnel ab, bis die kleine Spinne heraus sprang und sofort Kampfhaltung annahm – ein paar Füße im Kung Fu Stil in die Luft gestreckt, jederzeit bereit zum Angriff. Und tatsächlich springt sie alles an, was sich ihr nähert – denn Angriff ist die beste Verteidigung – wie Chris uns eindrucksvoll demonstrierte, indem er ihr den Griff des Golfschlägers hin hielt, auf welchen sie sich sofort stürzte und festklammerte. Aber das hilft natürlich nicht in allen Situationen – manchmal macht man sich doch besser aus dem Staub. Deshalb hat die Dancing White Lady ein geradezu geniales Fluchtsystem entwickelt. Sie hält sich grundsätzlich nur auf der windgeschützten Seite einer Düne auf – die übrigens immer einen Winkel von 34° haben, weil der der feine Sand ab diesem Winkel zu rutschen beginnt. Wenn die Spinne sich also nun auf der Düne bewegt und Gefahr im Verzug ist, rollt sie sich einfach zusammen und rast mit 44 Umdrehungen pro Sekunde (!) die Düne hinunter. Unten angekommen, nimmt sie sofort wieder Kampfstellung ein, falls noch immer – oder erneut – Gefahr droht. Falls die Luft rein ist, rennt sie schnell zu ihrem Tunnel, der sich wohlweislich immer am unteren Rand der Düne befindet.